Fachschaft Geschichte

Pnp 16.11.2011
Zeitzeuge berichtet vom Widerstand
Sohn von Helmuth James Graf von Moltke zu Gast im Gymnasium Auersperg

Als sein Vater Helmuth James Graf von Moltke im Salon des Landgutes Kreisau in Niederschlesien Pläne für eine Neuordnung Deutschlands nach dem Krieg schmiedete, saß er oben im Kinderzimmer und spielte: Helmuth Caspar Graf von Moltke war als Kind nah dran an den Treffen der von der Gestapo "Kreisauer Kreis" genannten bürgerlichen Widerstandsgruppe. Gestern berichtete er im Passauer Gymnasium Auersperg vom Wirken seines Vaters.
  Der 1937 geborene Helmuth Caspar Graf von Moltke lebt heute in den USA und in Kanada. In diesen Tagen hält er sich in Passau auf, da heute bei einer Buchpräsentation um 19 Uhr in der Staatlichen Bibliothek die Abschiedsbriefe von Freya und Helmuth James Graf von Moltke vorgestellt werden.
 In die Schule kam er auf Vermittlung des Ilztalbahn-Geschäftsführers Thomas Schempf. Der lernte den Grafen auf einer Reise nach Kreisau kennen, wo heute eine Internationale Jugendbegegnungsstätte, eine Gedenkstätte und eine Europäische Akademie ihren Sitz haben, unterstützt von Stiftungen der Familie Moltke. Die Schule nahm das Angebot eines Besuchs gerne an, wie Geschichtslehrer Josef Duschl erklärte: Denn im Lehrplan nehme das Thema Widerstand "nur einen sehr kleinen Raum" ein.
 Von Moltke skizzierte den Werdegang seines Vaters. Als die Nazis 1933 an die Macht kamen, war Helmuth James Graf von Moltke ein junger Jurist. Ab 1939 arbeitete er als Berater für Völkerrecht in der Wehrmacht. Eine paradoxe Aufgabe, wie sein Sohn sagte, weil die Nazis ständig gegen dieses internationale Recht verstoßen hätten. Ab 1940 fanden auf dem Landgut Kreisau (heute: Krzyzowa in Polen) die Treffen der Widerständler statt. Anfang des Jahres 1944 verhafteten die Nationalsozialisten Helmuth James Graf von Moltke, so dass er während Claus Schenk Graf von Stauffenbergs Attentat auf Hitler am 20. Juli "im Gefängnis saß", wie sein Sohn den Schülern erklärte.
 In den Prozess am Volksgerichtshof in Berlin gegen von Moltke im Januar 1945 ließ der Sohn seine Zuhörer dann tiefer eintauchen, indem er aus den Briefen seines Vaters an seine Mutter las. Helmuth James Graf von Moltke führt darin die Vorwürfe von Richter Roland Freisler gegen ihn aus. Diese Passagen sollten den Schülern einen Eindruck vermitteln, "wie es in politischen Gerichten war", wie von Moltke erklärte, dass dort die Richter nicht "wirklich Recht sprachen" wie heute in Deutschland.
  Zirka 45 Minuten sprach Moltke, genauso viel Zeit blieb für Fragen. Für sehr unterschiedliche Dinge interessierten sich Schüler und Lehrer, vom persönlichen Werdegang über die Rolle der Kirche im Widerstand bis hin zu seiner Einschätzung des Gefängnisses Guantanamo. Von Moltke beantwortete alle Fragen offen und ausführlich. Mit am stärksten beeindruckt haben seine Zuhörer wohl seine Erläuterungen, warum sein Vater ein Attentat auf Hitler abgelehnt habe − wegen Bedenken, einen neuen Staat mit einem Tyrannenmord zu begründen und der Angst vor einem Wiederaufleben der Dolchstoßlegende. − jur

Ausstellung „Die Mauer. Eine Grenze durch Deutschland“


Seit Juni haben  unsere Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, mit ihren Geschichts- und Sozialkundelehrern die Ausstellung „Die Mauer. Eine Grenze durch Deutschland“ im Foyer des Neubaus zu besichtigen sowie ihr historisches bzw. zeitgeschichtliches Wissen zu vertiefen.  Die von der Bundestiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und den Zeiten „Bild“ und „Welt“ aus Anlass des 50. Jahrestages des Baus der Berliner Mauer erarbeitete und gesponserte Ausstellung zeigt in mehr als 20 großformatigen Plakaten die Geschichte der innerdeutschen Grenze unter Verwendung von eindrucksvollem Bildmaterial. Dieses macht nicht nur die Vorgeschichte zu dem zentralen Ereignis der deutschen Zeitgeschichte schülergerecht deutlich, sondern in gewisser Weise auch nachvollziehbar, welche Konsequenzen das menschenverachtende Grenzbefestigungssystem, das die deutsche Teilung in den folgenden Jahren besiegelte, für die Menschen in Ost – und Westdeutschland  nach sich zog. Anhand von hochwertigen Fotos, übersichtlichen Karten, treffend ausgewählten Karikaturen  sowie durch auf das Schüleralter abgestimmte Texte werden relevante Themen veranschaulicht und wesentliche Sachverhalte erklärt: Besatzungszonen – Berlin-Blockade – Exodus aus der DDR – „Antifaschistischer Wall“  – Flucht  und Schießbefehl finden sich z.B. auf der negativen Seite, friedvolle Revolution  – Mauerfall und  Wiedervereinigung sind Themenkreise auf der positiven. Abgerundet wird die Präsentation mit dem Appell gerade an die junge Generation, sich stets rechtzeitig gegen menschenverachtende Politik und jegliche Formen der Diktatur zu formieren. Die Ausstellung kann noch bis zum Ende des laufenden Schuljahres besichtigt werden.
                                                                                                                                   Wolfgang Grulich

Mauer
Fototext:
Die Schautafeln zum Thema „Die Mauer. Eine Grenze durch Deutschland“ werden  von Schülerinnen und Schülern auch im Rahmen von Frei – und Projektarbeit genutzt.


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