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Projekte
Schüleraustausch England 2007
The Invasion of Bavarian Barbarians
Weißbrot en masse, Teatime, britischer Humor und Pfefferminzsauce.
Wir, 27 Schüler der 9. und 11. Klasse in Begleitung von Frau Martin und Herrn Kollmann, machten uns vom 2. - 11. Mai 2007 aus der bayerischen Provinz nach England auf, um einmal selbst zu erleben, wie es sich anfühlt, für einige Tage eine völlig fremde Kultur kennenzulernen, um sich ein eigenes Bild vom typischen England zu machen (das tatsächlich komplett auf Schwarzbrot verzichtet) und "nebenbei" in der Weltstadt London den "London Style" zu erwerben.
Der Donnerstag stand ganz im Zeichen der Schule in Ingatestone, wobei
der Weg dorthin allein genug an Strapazen (und Schlaglöchern) -
ich glaube, dass bei einem Einzugsgebiet von 80 km durchaus von einer
Schulweg-Odyssee gesprochen werden darf - barg. Endlich angekommen
(Begrüßung mit englischem Tee und Keksen inklusive) mussten
natürlich sämtliche Dinnererlebnisse und detaillierte
Beschreibungen der Gastfamilie ausgetauscht werden. Danach
komplettierte eine in charmantem Denglisch gehaltene Schulführung
- hier bleibt ausdrücklich festzuhalten, dass Turnhallen wirklich
nur für Sport geeignet sind - den Vormittagsunterricht. Am
Nachmittag besuchte eine Hälfte den Unterricht und stellte fest,
wie gut manchen von ihnen plötzlich das Fach Wirtschaft
gefällt, während sich der andere Teil auf den Weg zur
Ingatestone Hall, einem Haus aus der Tudor-Zeit, machte, die aus
unerfindlichen Gründen leider an diesem Tag geschlossen blieb.
London, die Weltstadt, in der jeder (wenn auch unbewusst) hofft, doch einmal der Queen über den Weg zu laufen, stand endlich am Freitag auf dem Programm. Ausmaße, die für uns Schüler aus den kleinen Dörfern ( in der Relation zu London kann man Passau hier sicher hinzuzählen) unvorstellbar sind, lassen es natürlich nur zu, die absoluten Basics (die deshalb nicht weniger beeindrucken) in bester Touristenmanier (und Fotografierwut) zu besichtigen. Das heißt kurz umrissen: Buckingham Palace, Trafalgar Square, Westminster Abbey, Picadilly Circus, Soho, China Town, National Gallery, Hyde Park, Big Ben... Es grenzt an eine Perversion, diese Sehenswürdigkeiten von historischer und kultureller Bedeutung einfach aneinanderzureihen, aber das beschreibt den Londoner Bürger wohl am besten. Es heißt oft: “Je größer die Stadt, desto schneller die Menschen.” Dass dies zutrifft hat jeder von uns spätestens in der Tube (dem erstaunlich verständlichen U-Bahnsystem Londons) gemerkt. Lustigerweise schafften es aber unsere beiden Begleitlehrkräfte (insbesondere Frau Martin) sogar, dieses Tempo noch zu steigern.
Dass die Briten einen kleinen Knall haben könnten, haben viele
schon bei diversen englischen Fernsehsendungen festgestellt - und Monty
Python erhärten diesen Verdacht -, aber die britischen
Feiertagsregelungen sorgten bei uns für allgemeine Verwirrung (und
Gelächter). Der Maifeiertag (1. Mai) wurde nämlich in England
am 7. Mai (Montag) diesen Jahres gefeiert und sorgte so für
ein langes Wochenende, das wir einzeln in unseren Gastfamilien
verbrachten. London (Camden Town), Southend und ausgedehnte (sehr
ausgedehnte) Shoppingausflüge könnten hier genannt werden.
Der folgende Dienstag - nach dem Wochenende um einige Pounds leichter - unser zweiter Tag in London, stand im Zeichen der Kunst. Architektur, Theater oder bildende Künste (die vielleicht manchen mehr bereichert hätten als eine weitere Tasse Kaffee) sind nur wenige Beispiele für die kulturelle Bandbreite dieser Millionenstadt. Im Globe Theatre unbemerkt die Bühne anzufassen, im Tate Modern Minuten in Ehrfurcht vor unbezahlbaren Bildern und Plastiken verharren, über die Tower Bridge zu flanieren und vor den Wolkenkratzern (oder Gurken) fasziniert eine Genickstarre zu bekommen, das sind die Momente, die wahrscheinlich ein Leben lang nicht mehr vergessen werden. Nachdem wir noch ein bisschen durch London gewandelt sind (naja, eher zielstrebig zur St. Paul´s Cathedral gerast sind) ging es mit einem Dutzend Hard Rock Café T-Shirts im Gepäck wieder zurück in die Familien, um dort weitere Erfahrungen mit englischem Essen (das wirklich besser ist als sein Ruf, (aber schrecklich ungesund)) zu machen und natürlich das ein oder andere Pläuschchen abzuhalten (oder zumindest den Versuch einer Konversation zu starten).
Der nächste Tag stand in der Tradition der großen Wissenschaft: Cambridge, Mekka der Studenten der Naturwissenschaften und geschichtsträchtige Universitätsstadt war unser Ziel am Mittwoch. Es klingt komisch, aber man fühlt sich in diesen altehrwürdigen Anlagen gleich um ein vielfaches intellektueller (was ja nicht unbedingt negativ ist). Zwei Fremdenführerinnen, die man sich als Omas wünschte und die durchaus auch im Alter den Humor nicht verloren haben, Rasen, deren Betreten verboten ist, die geschichtsträchtigen Bauten, in denen ein nicht zu verachtender Teil unserer heutigen Erkenntnisse der Wissenschaft entdeckt wurden, lassen uns ein bisschen ehrfürchtiger durch die vielen kleinen Straßen Cambridges wandeln.
Vom letzen Tag wird vielen der kleine aber feine Klimawechsel in Greenwich in Erinnerung bleiben, der mit seinem Feigenbaum zu einigen bibelinspirierten Fotografien ermunterte. Und von der Osthalbkugel zur Westhalbkugel zu hüpfen (und wieder zurück, oder auf beiden zu stehen) kann natürlich auch Spaß machen. Die Heimreise gestaltete sich aufgrund intensiver Auseinandersetzungen einiger mit der Londoner Shopping-Kultur wieder problematisch, konnte aber ein zweites Mal aufgrund logistischer Meisterleistungen (trotz verminderter Aufnahmefähigkeit wegen akuten Schlafmangels) erfolgreich über die Bühne gebracht werden und wir kamen am frühen Abend des 11. 05. wohlbehalten (ein Lob an die Rudelführer) und komplett (ein weiteres Lob) in Passau, und somit in den Armen unserer Familien und Freunde an. Was festzuhalten bleibt, ist, dass man eines in einem solchen Bericht schnell vergisst: die Menschen. Es war faszinierend, wie herzlich wir von unseren Austauschpartnern aufgenommen wurden (bis auf eine zickige Ausnahme), was beim Abschied zu einigen Tränen (bei manchen eher zu Sturzbächen) führte.
Dominik Zippe 11b