PNP 05.06.2010

Jung, attraktiv, unschlagbar


Sie sind Deutschlands bestes Gesangsduo in ihrer Altersstufe - Was Julia Duscher und Veronika Würfl aus dem Landkreis Passau so stark macht



Einen vielversprechenden Musiker erkennt man daran, dass es ihm gelingt, einen Auftritt durch und durch nach seinem Willen zu gestalten. Den herausragenden Musiker zeichnet aber auch aus, dass er selbst dann perfekt wirkt, wenn ihm etwas nicht perfekt gelingt. So wenig ein Künstler ohne technische und musikalische Reife bestehen kann, so sehr braucht er obendrein Selbstvertrauen, Ausstrahlung, Erfahrung und eine Portion Kaltschnäuzigkeit. Julia Duscher aus Fürstenzell ist 15 Jahre alt, Veronika Würfl aus Tittling ist 16 - und sie vereinen all diese Eigenschaften spielend. Eben haben die beiden Sopranistinnen als Duo den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ in Lübeck gewonnen - mit 24 von 25 möglichen Punkten. Was so viel bedeutet wie: Die beiden singen nahezu perfekt.

Das einzige, was abhebt,
sind ihre Stimmen

Erfolgstrunken abheben brauchen die jungen Frauen nicht - das tun ihre Stimmen schon für sie. Darum können sie auch mit einem attraktiven Lächeln in gut niederbayerischer Bescheidenheit sagen: „War ned schlecht. Und wir haben großes Glück mit der Jury gehabt.“ Damit meinen sie, dass kein Wert gelegt wurde auf Gesten und Pipapo. Bewertet wurde allein der Gesang, die künstlerische Substanz. Kein schlechtes Kompliment also, wenn man gerade damit überzeugt.
Dabei sah es nicht unbedingt so aus: Erkältet reiste Julia Duscher an, ohne Frühstück gingen die beiden bei strömendem Regen in Konzertkleidung ins Stadttheater Lübeck. Doch „Adrenalin und Tabletten“ können einiges wettmachen, wie auch ein auf die Stimmen maßgeschneidertes 14-Minuten-Programm: „Laudamus te“ aus Vivaldis „Gloria“, Purcells „Sheperd, Sheperd“ für Alte-Musik-Spezialistin Veronika Würfl, Mendelssohns „Abendlied“ für die (musikhistorisch-klangliche) Romantikerin Julia Duscher. Und „Che soave zeffiretto“ aus Mozarts „Nozze di Figaro“ sowie Rossinis Katzenduett für die perfekte Mischung aus beiden Stimmen.
„Die anderen haben oft mehr solistisch nebeneinander hergesungen“, sagt Veronika. „Ich glaub, es ist gut, dass wir uns schon zehn Jahre kennen“, ergänzt Julia. Damals war Julias Kindergärtnerin „Erna“ die außerordentlche Musikalität aufgefallen, „Vroni“ war immerhin schon in der ersten Klasse, als sich die Sängerinnen bei ihrem Lehrer Kurt Brunner trafen - „ein Glücksgriff“, loben sie den Gesangspädagogen und stv. Leiter der Kreismusikschule Passau. Doch nicht alle konnten sich begeistern für gerade 7-jährige Mädchen, die mit Kunstliedern im Wettbewerb antreten. Konservative Pädagogen fanden das damals schädlich für die Stimme. Mancher im Ort fand das alles schlicht „übertrieben“. Ja, es ist einfach, sich zu mokieren über eine Mutter, die ihre Tochter in zehn Jahren 20 000 Kilometer weit zum Unterricht kutschiert. Und es ist unsagbar dumm. Heute sind beide Bundessiegerinnen im Sologesang, als Duo haben sie im Landeswettbewerb das Maximum von 25 Punkten geholt, jetzt sind sie auch noch „deutsche Meister“ als Vokal-Duo - und das Publikum strömt in die Fürstenzeller Portenkirche, wenn die beiden einen Liederabend geben.

Am 28.7. in Fürstenstein,
2011 bei den EW

Ihre ersten Auftritte absolvierte Julia in Latzhosen mit Teddybär im Arm - am 28. Juli singt sie jetzt mit Veronika Würfl im Schloss Fürstenstein, 2011 bei den Festspielen Europäische Wochen. „Wenn alles klappt“, will Julia Medizin studieren. Vielleicht aber auch an die Oper. Veronika stellt sich im September der Jury des Brunnenthaler Konzertsommers und möchte am liebsten Gesang studieren.
Das „r“ haben sie im Englischen nicht ganz korrekt ausgesprochen beim Wettbewerb in Lübeck, sonst kein Funke der Kritik. „Dabei habe ich einen Einsatz verhauen“, gibt Veronika zu. Innerlich zitterten die beiden, doch sie hatten ihre Mimik im Griff. Sangen weiter, weder Jury noch der eigene Lehrer haben irgendetwas bemerkt. Genau das macht den Unterschied aus zwischen einem vielversprechenden und einem herausragenden Musiker.   Raimund Meisenberger
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